Talente buhlen um begehrte RollenMain Echo - Oktober 2016

Casting: Verein Main-Musical sucht Sänger, Schauspieler und Tänzer für anstehende Produktion »Aida« – Vorsingen in Kleinheubach

»Free­ze« schallt es durch die Au­la der Grund- und Mit­tel­schu­le Klein­heu­bach. Die bei­den jun­gen Frau­en, die sich ge­ra­de noch hef­tig ge­s­trit­ten ha­ben, blei­ben wie ver­stei­nert ste­hen. Der Jun­ge, der »free­ze« ge­ru­fen hat, schickt ei­nes der Mäd­chen von der Fläche und nimmt ih­re Po­se ein. Ein ab­sur­des Ge­spräch über Haus- und Gar­ten­ar­beit nimmt sei­nen Lauf.


Stopptheater nennt sich die Improvisationsübung und soll den jungen Leuten helfen, aus sich heraus zu kommen und locker zu werden.

Energetisches Ensemble gesucht
Sie sind heute zur Audition des Vereins Main-Musical gekommen, um für eine der begehrten Rollen in der anstehenden Produktion »Aida« vorzusingen. Doch bevor es so weit ist, stehen Kennenlernen, Aufwärmen und Einsingen auf dem Programm. »Wir hoffen, heute motivierte, frische Talente aus dem Landkreis und darüber hinaus zu finden, damit wir ein neues energetisches Ensemble zusammenstellen können«, formuliert der musikalische Leiter Christopher Abb seine Erwartungen an das Vorsingen.
Getestet werden die Bewerber auf Schauspiel und Gesang. »Die individuellen Leistungen müssen dem Rollenprofil entsprechen«, erklärt Abb. Jede Rolle stelle unterschiedliche Anforderungen an den Darsteller. Denen müssen die Bewerber gerecht werden. »Trotzdem geht es uns heute nicht darum, falsche Töne zu zählen«, stellt Abb klar, der mit seiner Kollegin Monique Haas die Jury bildet. Wichtig sei es, den Menschen und seine Ressourcen kennenzulernen, um am Ende eine passende Rolle für ihn zu finden.
Einige Teilnehmer haben beim Vorsingen bereits eine ganz bestimmte Figur im Kopf, wie Benjamin Ganz, der den ägyptischen Heerführer Radames bereits bei der Musical-Factory in Groß-Umstadt spielte. Zum Vorsingen hat der Darmstädter sich deshalb die Radames-Stücke »Wer viel wagt, der gewinnt« und »Durch das Dunkel der Welt« ausgesucht. Andere lassen es komplett auf sich zukommen: »Ich bin einfach an dem Musical Aida sehr interessiert. Welchen Part ich am Ende bekomme, ist zweitrangig«, meint Lena Breunig aus Miltenberg. Sie ist zum ersten Mal dabei und hat sich für das Casting von den Wahlpflichtstücken die flotte Nummer »Mein Sinn für Stil« ausgesucht – ein Song der Pharaonentochter Amneris.

Intensive Stimme
Besonders aufgeregt fühlen sich Benjamin und Lena nicht. Auch der semiprofessionelle Sänger Marcel Lutz, der bereits in zahlreichen Produktionen mitgewirkt hat, bleibt entspannt und beeindruckt die Anwesenden mit seiner intensiven Stimme. Ganz anders ist es bei Rahel Gottwald, der die Nervosität deutlich anzumerken ist. Sie ist seit 2014 im Verein aktiv und hat bisher Querflöte im Orchester gespielt.
Vorgesungen hat sie schon mehrmals, aber nie eine Rolle bekommen. »Solange es Main-Musical gibt, werde ich meinem Traum verfolgen, einen Solopart zu übernehmen und es immer wieder versuchen«, ist sie überzeugt. Während in der Aula einer nach dem anderen nach vorne gebeten wird, um vorzusingen, hat in der Turnhalle bereits die offene Tanzprobe begonnen. »Fünf, sechs, sieben, acht«, zählt Eva Palmer ein. Sie leitet das Tanzensemble. »Florence and the Machine« tönt aus den Boxen, die Teilnehmer versuchen die gezeigte Choreographie Stück für Stück nachzutanzen. »Streckt euch wie nach einem Stück Schokolade«, versucht Palmer die Bewegung zu verdeutlichen.
Im Gegensatz zu den Soloparts muss bei den Tänzern nicht ausgesiebt werden. »Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt und Spaß hat«, fasst die Leiterin des Tanzensembles zusammen. Die offene Probe soll dazu dienen, den Interessierten einen ersten Eindruck zu verschaffen. Wem es gefällt, kann dabei bleiben. Für die Gesangsrollen muss sich die Jury noch beraten. Sicher ist aber, dass es genug Talente gibt, um alle Figuren zu verkörpern.

Beatrice May

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